Die Hygiene.News haben bereits mehrfach über den Pestausbruch in Madagaskar berichtet. Grund genug, diese Krankheit ein wenig näher zu beleuchten. Wie bricht die Krankheit aus, welche Arten der Pest gibt es und wie wird die Erkrankung übertragen?

Es gibt verschiedene Arten der Pest, aber alle werden durch ein Bakterium hervorgerufen: Yersinia pestis. Dieses Bakterium ist kurz und sicherheitsnadelförmig und anhand dieser Form sehr leicht unter dem Elektronenmikroskop zu identifizieren. Der Erreger wird meist über Läusebisse übertragen, die zuvor Blut bei Ratten gesaugt hatten, oder über eine Tröpfcheninfektion. Unhygienische Zustände fördern die Vermehrung des Pesterregers. Die Inkubationszeit liegt bei einem bis fünf Tagen.

Die Pest tötete im Mittelalter ein Drittel der europäischen Bevölkerung

Seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert brach die Beulenpest auch regelmäßig in Europa aus. Allein zwischen 1346 und 1353 forderte die Seuche in Europa circa 25 Millionen Todesopfer. Das entspricht rund einem Drittel der damaligen Bevölkerung. Dieser extrem tödliche Ausbruch der Pest wird auch als „der schwarze Tod“ bezeichnet.

Lange wurde verleugnet, dass es sich bei der damaligen Pandemie um die Pest handelte, seit 2011 ist jedoch erwiesen, dass es sich um einen hochgradig aggressiven Stamm der Pest gehandelt hat. Wahrscheinlich gerade aufgrund seiner aggressiven Natur, ist dieser Stamm jedoch mittlerweile ausgestorben.

Es ist jedoch mittlerweile erwiesen, dass alle Stämme der Pest, die bis heute noch existieren, Nachkommen dieses einen Bakterienstammes aus dem Mittelalter sind. Dieser soll in China entstanden und dann über Wanderraten nach Europa eingeschleppt worden sein.

Welche Krankheitstypen der Pest gibt es?

Es gibt vornehmlich zwei Pesttypen, die sich in der Übertragung und den Symptomen unterscheiden. Zum einen gibt es die Beulenpest und zum anderen gibt es die Lungenpest. Beide Varianten der Pest verlaufen ohne die Behandlung mit Antibiotika tödlich.

Beulenpest

Bei der Beulenpest zeigen sich zu Beginn unspezifische Symptome wie hohes Fieber bis 41° C, Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, Benommenheit und starkes Krankheitsgefühl. Später folgen weiter Symptome wie schneller Herzschlag, niedriger Blutdruck, Beklemmung, Angst und verminderte oder gar keine Harnausscheidung kommen.

Nach circa 24 Stunden ist die erste Beule in der Größe von einem bis zehn Zentimeter sichtbar. Dies sind infizierte Lymphknoten, die dadurch anschwellen und warm, hart und entzündet sind. Im Laufe der Zeit wird die Beule etwas weicher, weil sich Eiter in der entzündeten Stelle bildet. Die Beulen treten in der Achselbeuge, im Halswirbelbereich und vornehmlich in der Leistengegend auf. Vornehmlich deshalb, weil die infizierten Flöhe nicht sehr hoch springen können und die Einstichstellen im Bereich der Füße und Unterschenkel liegen.

Lungenpest

Die Lungenpest wird im Gegensatz zur Beulenpest durch Tröpfcheninfektion übertragen.  Bereits nach wenigen Stunden können sich hier Symptome zeigen und die Lungenpest zeigt sich als hochansteckend. Da die Lymphknoten mit einer Entzündung durch das Einatmen übergangen werden, entwickelt sich die Lungenpest heftiger als andere Pestarten. Sie beginnt mit plötzlichem starken Schüttelfrost, Fieber, Abgeschlagenheit, Schwindel, Muskel- und Kopfschmerzen. Am zweiten Tag treten Atemnot, das Aushusten von blutig schwarzem Auswurf und Schmerzen im Brustkorb auf. Im weiteren Verlauf verfärben sich Lippen und Haut bläulich aufgrund des akuten Sauerstoffmangels.

Weiter gibt es noch die Hautpest und Abortive Pest. Diese Formen der Pest sind jedoch nicht unbedingt tödlich und treten des Weiteren nur sehr selten auf. Es gibt zudem Komplikationen, die bei einer Pesterkrankung auftreten können. Es kann beispielsweise eine Pestsepsis ausgelöst werden, die bis zum Zelltod mit abgestorbenen Finger- und Nasenspitzen und Zehen gehen kann. Bei direkter Infektion des Blutes verstirbt der Patient schon, bevor die ersten Symptome aufgetreten sind.

Sehr seltene Formen der Pest ist zum einen die Pest-Pharingitis und zum anderen die Pest-Meningitis. Die Pest-Pharingitis entsteht, wenn Pesterreger verschluckt oder inhaliert werden. Hierbei kommt es zu Kopfschmerzen, Entzündungen der Lymphknoten im Halsbereich, Anschwellen der Ohrspeicheldrüse, trockenem Hals, hohem Fieber und entzündeten Mandeln. Die Pest-Meningitis ist eigentlich eine Komplikation, die aus einer nicht hinreichend behandelten Pesterkrankung entsteht. Wahrscheinlich besteht ein Zusammenhang mit Enzephalitis.

Müssen wir in Europa Angst vor einem erneuten Ausbruch der Pest haben?

Das Risiko eines größeren Ausbruchs in Europa ist relativ gering. Selbst wenn sich ein Tourist auf Madagaskar mit der Pest ansteckt, ist die Inkubationszeit so kurz, dass es unwahrscheinlich ist, dass er es in dieser Zeit nach Deutschland schafft, ohne Symptome zu entwickeln. Wir in Europa und ganz besonders in Deutschland leben unter sehr hygienischen Bedingungen.

Wir haben kaum Kontakt zu Ratten und damit auch nicht zu Rattenflöhen. Sollte die Pest in Deutschland ausbrechen, haben wir eine sehr gute Gesundheitsversorgung. Man kann also mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass wir in Deutschland keine Angst vor einem erneuten Ausbruch der Pest haben müssen.

 

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Quellen:

http://www.yersiniapestis.info/krankheit.html

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Yersinia_pestis

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Pest

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Tod

 

http://www.zeit.de/wissen/2017-10/pest-madakasgar-epidemie-mirko-faber-interview

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