Die 15 Einwohner des Ortsteils Schern, der zum Hauptort Werther gehört, leben seit jeher ohne einen Anschluss an das Trinkwassernetz. Versorgt werden sie stattdessen über eine Hausbrunnenanlage. Dabei wurde die Wasserqualität Scherns bereits im Jahr 2015 amtlich untersucht, wobei man feststellen konnte, dass dieses stark nitratbelastet und somit für den menschlichen Genuss nicht geeignet ist.

Intensive Landwirtschaft ist für Nitratwerte verantwortlich

Der hohe Nitratwert im Grund- und Brunnenwasser ist auf die intensive Landwirtschaft rund um den kleinen Weiler Schern zurückzuführen. Bereits zu Zeiten der DDR hat der Staatsbetrieb „Tierproduktion Nordhausen“ dort die Gülle von mehr als 100.000 Schweinen ausgefahren. Die nitrathaltige Masse soll laut Hans-Jürgen Weidt, dem Bürgermeister Werthers, damals manchmal kniehoch auf den Feldern gestanden haben.

Förderantrag auf Wasserleitung abgelehnt

Als Kathrin Theiler 1991 ein Haus in Schern mit ihrem Mann kaufte, galt die Wasserversorgung des Ortsteils noch als unproblematisch. Die Ergebnisse der Wasserproben bewegten die Mutter von Zwillingen jedoch dazu, eine Trinkwasseranlage von der Gemeinde zu verlangen. Sowohl diese Bitte als auch ein Förderantrag beim Umweltministerium wurden in der Zwischenzeit abgelehnt. Letzteres gab an, eine Förderung sei nicht möglich, da diese landesweit bereits in den 90er Jahren und bis in das Jahr 2011 ausgiebig erfolgt sei.

Umweltministerin sieht Verantwortung beim Wasserverband

Umweltministerin Anja Siegesmund ist der Ansicht, der Wasserverband Nordhausen sei für die Bereitstellung einer Wasserleitung vom Hauptort Werther zum Ortsteil Schern verantwortlich. Immerhin konnte dieser in den vergangenen Jahren Gewinne von rund zwei Millionen Euro erzielen, mit denen der Bau einer Leitung ohne Probleme möglich gewesen wäre. Allerdings wurden die Gelder bereits an Gesellschafter wie die Stadt Nordhausen und andere Kommunen verteilt.

Wasserverband äußert juristische Bedenken

Der Wasserverband Nordhausen sieht seinerseits Schwierigkeiten in der Bereitstellung einer Trinkwasseranlage. Diesbezüglich erklärt Bürgermeister Weidt, derart hohe Kosten für lediglich 15 Bewohner auszugeben, könne juristisch auch als Veruntreuung ausgelegt werden. Das Umweltministerium hat den Wasserverband dennoch dazu aufgerufen, den Bau einer Trinkwasseranlage noch einmal rechtlich prüfen zu lassen. Als zusätzliche Hilfestellung bietet Umweltministerin Siegesmund dem Verband außerdem an, die juristische Frage mit der dafür zuständigen Kommunalaufsicht und dem Rechnungshof zu klären.

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