Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Wissenschaft bekannt, dass die Cholera von Bakterien ausgelöst wird, die sich über unsauberes Trinkwasser verbreiten.  Ende der 70er Jahre entwickelte die US-Forscherin Rita Colwell eine Theorie, die die Wissenschaft spaltete. Sie zeigte, dass Cholera-Bakterien nicht nur als Erreger im Menschen leben, sondern auch als natürlicher Bestandteil von Flüssen und Küsten. Häufig an winzige Ruderfußkrebse gebunden, sind sie ein wichtiger Teil des Planktons der Weltmeere.

Cholera als Resultat von Umweltverschmutzung?

Colwell entwickelte daraus die Theorie, dass Cholera-Ausbrüche ein Resultat von Klima-Phänomenen wie El Niño seien. Dadurch entwickelten sich Algenblüten und die zögen wiederum Ruderfußkrebse an, die die Cholera mit sich brächten. Diese Theorie warf die Frage in der Forschung auf, wie viele Ausbrüche infolge von Umwelteinflüssen und wie viele durch Einschleppung auftreten.

Genom der Cholera von über 50 Jahren entschlüsselt

Forscher des Pariser Pasteur Instituts haben nun das Erbgut von Hunderten von Cholera-Bakterien aus Afrika, Asien und Amerika, die im Zeitraum von über 50 Jahren auftraten, entschlüsselt. Unter anderem auch drei Proben aus dem Sudan, wo im Jahr 1968 ein Ausbruch durch eine verseuchte Quelle verursacht wurde.

Das Ergebnis war für die Forscher überraschend: Cholera-Ausbrüche in Peru, Süd- und Mittelamerika, Haiti und Afrika waren alle auf die immer neue Einschleppung von Bakterien aus Asien zurückzuführen. Marco Salemi von der University of Florida in Gainesville sagt dazu: „Ich hatte erwartet, dass mehr Ausbrüche vor Ort entstehen.“ Zuvor war die gängige Theorie gewesen, dass das Bakterium einmal beispielsweise nach Afrika eingeschleppt worden war und seitdem dort heimisch ist.

Die Autoren behaupten nicht, dass es keine Krankheitsfälle gab, die durch andere Stämme des Cholera-Erregers ausgelöst wurden, es wären einfach nur keine Proben vorhanden. Mit einer Ausnahme: Der Fall im Sudan, der 1968 stattfand, wurde offenbar nicht importiert. Die Ausbrüche danach sind jedoch alle auf eine Einschleppung zurückzuführen.

Das Ende der Umwelthypothese

Die neuen Untersuchungen sind so eindeutig, dass die These von Colwell als widerlegt gelten kann. Er habe die Theorie der zahlreichen Einschleppungen ohnehin skeptisch gesehen, so Salemi. „Ich hoffe, das ist das Ende der Theorie.“

Neue Chancen für die Bekämpfung der Cholera

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits im Oktober eine neue Strategie vorgestellt. Im Jahre 2030 soll sich die Zahl der Cholera-Toten durch den Zugang zu sauberem Wasser und der Verabreichung eines Impfstoffes um 90 Prozent reduziert haben. Dieses Ziel scheint nun um einiges erreichbarer geworden zu sein.

Die Forscher können nun bei dem Beginn eines Ausbruchs das Genom des Erregers sequenzieren und feststellen, ob er zu der aggressiven Variante zählt. In dem Fall könnte ein begrenzter Impfstoff genutzt werden, um die gefährlichsten Ausbrüche einzudämmen. Zudem wollen die Forscher das Problem bei der Wurzel packen. Warum der Erreger sich in Asien halten kann und dort immer neue Varianten hervorbringen kann, darüber sind sich die Wissenschaftler noch unklar.

  Subscribe  
Notify of