Doch die neu entdeckten Viren ähneln Bakterien sehr stark. Denn sie sind so groß, wie kleinere Bakterien und enthalten deutlich mehr Erbgut als es für Viren normal ist. Sie besitzen in ihrer DNA sogar Gene für die Proteinbiosynthese und stehen damit kurz davor, sich auch ohne Wirt zu vermehren.

Viren wurden in Proben aus alkalischen Salzseen gefunden

Die Viren wurden von Jonatas Abrahão und seinen Kollegen der Aix Marseille Universität entdeckt. Sie haben Proben aus alkalischen Salzseen in Brasilien und aus Meeressedimenten vor der Atlantikküste Brasiliens entnommen. Dabei entdeckten sie Amöben, die von diesen Riesenviren befallen waren. Ihnen fiel direkt die große Größe der Viren auf. Denn allein der Schwang war durchschnittlich 550 Nanometer lang und 450 Nanometer breit. Abrahão sagt dazu: „Das ist der längste Schwanz, der je bei einem Virus beschrieben worden ist.“ Die Forscher gaben diesen ungewöhnlichen Viren den Namen Tupanviren.

Die Grenzen zwischen Viren und Lebewesen verschwimmen

Die Tupanviren zeigen, dass die Grenzen zwischen Viren und Lebewesen stärker verschwimmen. Abrahão sagt zudem: „Diese Entdeckung bringt uns einen Schritt weiter auf dem Weg, die Evolutionsgeschichte der Riesenviren zu verstehen.“ Denn bis jetzt ist noch vollkommen unklar, wie die Tupanviren aus Viren und echten Zellen entstanden sind. Derzeit gibt es zwei verschiedene Vermutung. In der ersten geht man davon aus, dass die Riesenviren aus normalen Viren entstanden sind, die mit der Zeit immer mehr Gene von ihren Wirten übernommen haben. In der anderen Vermutung geht man hingegen davon aus, dass die Riesenviren aus zellulären Vorgängern entstanden sind, die im Laufe der Zeit einen Großteil ihrer Zellen verloren haben. Welche Vermutung korrekt ist, muss jetzt weiter untersucht werden.

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