Sprechen wir von Hochkultur, so denken wir zumeist an Kunst, Kultur, Philosophie oder Wissenschaft, der Kanalbau scheint dabei aber eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dies aber ganz zu Unrecht, war doch die Trennung von Trinkwasser und Abwasser für die Menschheit schon immer von ganz zentraler Bedeutung und machte oft den Unterschied zwischen Leben und Tod aus.

Diese wichtige Tatsache scheint unseren Vorfahren schon recht früh klargewesen zu sein. Bereits vor 5000 Jahren kannten die Mesopotamier nicht nur schon die ersten Gesetzestexte, sondern auch Toiletten.

Fortschrittliches Kanalsystem bei den Römern

Die Römer leiteten ihr Abwasser in einer überdachte, steinerne „cloaca maxima“. Ein extrem fortschrittliches System für jene Zeit und dem Prototyp unserer heutigen Abwasserkanäle. Kaiser Vespasian führte sogar eine Urinsteuer ein, über die so mancher die Nase rümpfte. Der Kaiser hielt den Zweiflern aber nur entgegen: Pecunia non olet – Geld stinkt nicht.

Seuchen nach Zusammenbruch des Römischen Reiches

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches lagen bald auch die Aquädukte – die zur Frischwasserversorgung dienten – und die cloaca maxima brach. Die Abwässer liefen Jahrhunderte lang durch Risse aus den Kanälen und vermischten sich mit dem Trinkwasser. In ganz Europa verbreiteten sich nun Seuchen wie Typhus, Pest und Cholera aus.

Dies führte zu kuriosen Reaktionen. Wer es sich leisten konnte, wusch sich nur noch mit Parfum, da der Glaube vorherrschte, die Pest dringe durch die aufgeweichte Haut beim Baden in den Körper. Da die Menschen damals auch ihr „Geschäft“ direkt vor Ort erledigt haben, muss es wohl in den Städten unfassbar schlecht gerochen haben.

Hygiene lange Stiefkind in Europa

Europa war lange sehr rückständig was Sauberkeit und Krankheitsvorsorge betraf. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich Erkenntnisse über die Notwendigkeit der Hygiene durchzusetzen.

Der Münchener Arzt und Apotheker Max Pettenkofer (1818-1901) gilt als ein Pionier der Wissenschaft der Hygiene. Im Jahre 1892 trank er im Selbstversuch frisch gezüchtete Cholerabakterien. In diesem Jahr wütete die Pest in Hamburg und Paris und Pettenkofer wollte beweisen, dass die Erreger nur in Verbindung mit unreinem Wasser eine Gefahr seien. Er blieb tatsächlich gesund und forderte mit Nachdruck Hygiene als Mittel der Gesundheitspflege.

Hygiene heute

In Deutschland strömen pro Einwohner täglich rund 126 Liter Wasser aus dem Hahn. Nur fünf Liter davon werden bei uns verzehrt oder landen im Kochtopf, den Rest verbrauchen wir fürs Duschen, Waschen und Putzen. Hygiene wird großgeschrieben und jährlich verbrauchen die Deutschen über eine Million Tonnen Putz- und Waschmittel.

Sauberes Wasser ist ein Luxusgut

Viele Menschen in Entwicklungsländern können sich oft keine sanitären Einrichtungen leisten. Dort ist schmutziges Wasser der Hauptgrund für 80 Prozent aller Krankheiten. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und drei Milliarden keine Abwasserentsorgung. Pro Jahr sterben vier Millionen Kinder an Krankheiten wie Cholera, Typhus oder Hepatitis durch mangelnde Hygiene.

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