Vor der Entdeckung des Penicillins waren die Ärzte relativ machtlos, wenn es um Infektionen wie Diphterie, Scharlach, Blutvergiftung und Lungenentzündungen ging. Heute gibt es viele Bakterien, die gegen Antibiotika resistent geworden sind, aber die Entdeckung des ersten Antibiotikums Penicillin war in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Sensation.

Panne als ungeahnter Glücksgriff

Im September 1928 unterlief dem Bakteriologen Alexander Fleming eine Panne. Eine seiner Bakterienkulturen war von einem Schimmelpilz befallen. Dies war zuvor auch schon seinen Kollegen passiert und die „verdorbenen“ Kulturen landeten ein ums andere Mal auf dem Müll.

Fleming fiel jedoch etwas auf: Um den Pilz Penicillium notatum war der Bakterienrasen verschwunden, den er zuvor angelegt hatte. Offensichtlich sonderte der Pilz eine bakterientötende Substanz ab. Daraufhin behandelte Fleming Wunden und Augeninfektionen mit der Lösung und sah Erfolge.

Er fasste seine Erkenntnisse in zwei verschiedenen Arbeiten zusammen: „Es wird angenommen, daß Penicillin ein wirksames antiseptisches Mittel sein könnte, daß zum Auftragen und Einspritzen in mit Penicillin-Empfindlichen Mikroben infizierte Gebiete verwendet werden kann.“ Beachtung fand seine Arbeit jedoch kaum.

Penicillin bewies Heilkraft an Mäusen

Im Jahr 1939 begann endlich eine Gruppe in Oxford unter der Leitung des Pathologen Howard Walter Florey und des Biochemikers Ernst Boris Chain Penicillin zu isolieren. Im August des Jahres 1940 bewies Penicillin zum ersten Mal seine Heilkraft an mit Streptokokken infizierten Mäusen. Streptokokkeninfektionen wirkten zuvor tödlich.

1941 wurde der erste Mensch mit Penicillin behandelt, ein Londoner Polizist, der sich durch eine Wunde am Mund mit Bakterien infiziert hatte. Nach zweitägiger Behandlung trat zwar eine Besserung ein, der Patient verstarb jedoch, weil zu einer vollständigen Heilung zu wenig Penicillin vorhanden war. Um eine Tagesration herzustellen, musste das Forscherteam mehrere Tage im Labor verbringen. Florey konnte jedoch bald über zwölf erfolgreiche Behandlungen vorweisen

Siegeszug des Penicillins

Schon bald arbeiteten amerikanische Pharmafirmen Methoden zur Massenproduktion aus und es folgten mehrere andere Antibiotika. Viele Bakterienstämme, deren Krankheit zuvor tödlich verlaufen war, wurden mattgesetzt. Es gab jedoch auch Schattenseiten: Je mehr Antibiotika zum Einsatz kamen, desto mehr Bakterien bildeten eine Resistenz gegen sie aus.

Im Jahr 1941 wurden Fleming, Florey und Chain mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Da hatte Penicillin gerade erst seinen Siegeszug angetreten.

 

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